106 Jahre: Denken in Bewegung
Der Kopf bleibt beweglich, wenn er gefüttert wird — Gespräche, Vorlesen, ein Kartenspiel oder ein Blick in die Zeitung tun mehr als langes Grübeln — Fragen werden gestellt, ohne geprüft zu werden — Wiederholungen sind erlaubt und sogar nützlich — kleine Rätsel und Reime halten den Kopf wach — Beschäftigung ohne Leistungsdruck wirkt am besten — Erinnerungsfragen öffnen Türen — niemand muss Ergebnisse vorweisen — Neugier bleibt eine gute Gewohnheit.
1920: Listen für den Alltag
Rufnummern, Zeiten und Aufgaben bleiben auf sichtbaren Listen — eingetragen wird, wer einkauft, wer Fahrten übernimmt und wer nachts erreichbar ist — jede Aufgabe bekommt eine Vertretung — die Übersicht wird regelmäßig nachgeführt — Aufgabenlisten hängen dort, wo mehrere Personen sie lesen — nichts bleibt stillschweigend an einer Person hängen — Absprachen werden mit Namen festgehalten — ein kurzer Blick auf die Liste erspart Rückfragen — Übersicht entlastet mehr als gutes Zureden.
Verzeichnisse für die Unterlagen
Bescheide und Belege werden in einer Klarsichthülle abgelegt — ein Zettel obenauf nennt, was fehlt oder abläuft — Kopien liegen außerhalb der Wohnung — der Ordner wird nach jedem Termin ergänzt — alte Ausdrucke werden entfernt — zwei Vertrauenspersonen wissen, wo er steht — Neueingänge werden am selben Tag einsortiert — Unklares wird nachgefragt — die Suche wird dadurch kurz — wichtig bleibt, dass jede Entscheidung bei der Person liegt und nicht über ihren Kopf hinweg fällt — Aufgaben werden mit Namen, Zeiten und einer Vertretung notiert, damit nichts offen bleibt — Absprachen werden in ruhigen Stunden getroffen, nicht zwischen zwei Terminen — Belege und Nachweise bleiben geordnet, damit Beträge nachvollziehbar bleiben — Ruhepausen gehören zum Plan, nicht in die Lücke zwischen zwei Verpflichtungen.
Beträge und Reserven ordnen
Erspartes und Ausgaben bekommen je eine Zeile — freiwillige Gaben erhalten Betrag und Enddatum — Gaben und Darlehen werden getrennt vermerkt — größere Anschaffungen bekommen eine Nacht Bedenkzeit — Barausgaben werden mitnotiert — Quittungen bleiben bei den Unterlagen — Steuer- und Erbfragen übernimmt eine Fachperson — Erspartes wird geschont — eine klare Übersicht nimmt dem Monat die Überraschungen.
106-Jährige: Kontakte halten
Zusammenkünfte bleiben lebendig, wenn sie regelmäßig und klein sind — ein kurzer Anruf trägt weiter als ein seltener langer Besuch — Treffen werden verabredet, nicht vorausgesetzt — Absagen sind erlaubt — Pausen bleiben eingeplant — Nähe zeigt sich in kleinen Gesten — wer schweigen möchte, darf schweigen — Erreichbarkeit bleibt geregelt — Beziehungen brauchen keinen Beweis — Kontakte werden über die Woche gestreut, damit ganze Ruhetage frei bleiben — Wünsche werden notiert, bevor sie zwischen zwei Besuchen verloren gehen — Dokumente werden nach jedem Behördengang sofort eingeordnet — das Gespräch bleibt einfach und darf auch schweigen — offene Fragen werden ausgesprochen, nicht vermutet — wer Hilfe ablehnt, muss das nicht begründen — jede Zusage bekommt einen Umfang und ein Enddatum.
Erzählungen in kleinen Portionen
Erzählungen werden in kleinen Portionen gesichert — ein Bild, ein Jahr, eine Begebenheit pro Sitzung genügt — Zuhörende notieren Namen und Orte — Fragen öffnen mehr als Bitten — Offenes darf liegen bleiben — Tonaufnahmen nur nach Zustimmung — die Stimme zählt mehr als die Vollständigkeit — eine kurze Chronik entsteht aus vielen Notizen — niemand muss sich rechtfertigen.
Notizen für kleine Wünsche
Notizen halten kleine Wünsche fest — gefragt wird zuerst, entschieden wird von der Person — leicht Erfüllbares geschieht sofort — Unmögliches wird offen erklärt — Vorlieben bei Essen, Kleidung und Besuch werden notiert — Wünsche werden regelmäßig erfragt — die Person trifft die letzte Entscheidung — Widerspruch wird gehört — wer zuhört, trifft weniger Widerstand — die eigene Kraft wird eingeteilt, nicht aufgebraucht — Nachschub und Wege werden geteilt, damit niemand alles allein trägt.
106 Jahre: Grenze und Belege
1920 Geborene brauchen für den Geburtspfeiler einen Beleg — die Grenze Li Chun (Frühlingsbeginn) zählt mit, ebenso wirken die historische Zeitzone, der Geburtsort und die Uhrzeitregeln jener Zeit — von den Vier Säulen ist nur das Jahr bekannt, Monat, Tag und Stunde fehlen — ohne Belege bleibt die Aussage eine Näherung — ein Zeichen bewertet kein Leben.


