Mit 91 Jahren: der Balkon
Mit 91 Jahren wird der Balkon zum kleinen Garten — Kräuter stehen im Kasten — die Gießkanne ist halb gefüllt, damit sie leichter ist — ein Stuhl mit Kissen wartet im Schatten — an warmen Tagen wird gelüftet, an kühlen die Decke geholt — Tomaten und Blumen wechseln sich ab — gegossen wird morgens — niemand muss die Ernte planen — der Balkon bleibt ein stiller Ort — im Winter wandern die Kästen ins Treppenhaus, wo es hell und kühl bleibt — der Stuhl wird abends hereingetragen, damit das Kissen trocken bleibt.
91-Jährige: der Schreibtisch
91-Jährige halten den Schreibtisch in Ordnung — Briefpapier liegt links, Umschläge rechts — Marken sind in einer Dose — der Füllhalter ruht in der Schale — geschriebene Karten kommen sofort in die Postmappe — Adressen stehen im Heft — Rückantworten werden abgehakt — Antworten bekommen Bedenkzeit — der Platz bleibt frei für eine Tasse Tee — der Papierkorb wird jeden Sonntag geleert — ein Kalenderblatt zeigt den nächsten Zahltag an.
1935: das Regal
1935 bleiben Bücher im Regal geordnet — die Brille liegt auf dem Lesepult — die Lampe steht schräg zum Sessel — Lesezeichen kommen in die Bände — dünne Hefte stehen getrennt — Staub wird wöchentlich gewischt — ausgeliehene Bücher werden notiert — Neues findet nur Platz, wenn Altes geht — Lesen bleibt ein Vergnügen — Bücher werden nach Themen aufgestellt, nicht nach Größe — ein dünnes Heft sammelt Notizen zum Gelesenen.
91 Jahre: die Küche
91 Jahre machen die Küche vertraut — der Kessel singt auf der Platte — die Teekanne wartet daneben — die Dose enthält den Lieblingstee — Tassen stehen griffbereit — das Geschirr wird auf wenige Stücke reduziert — heiße Getränke bleiben in Reichweite — Zwischenmahlzeiten sind erlaubt — die Küche bleibt Herzstück des Tages — die Dose wird nach dem Frühstück wieder verschlossen — schwere Pfannen kommen auf das untere Brett.
Mit 91 Jahren: die Apotheke
Mit 91 Jahren bekommt der Weg zur Apotheke eine feste Ordnung — die Liste hängt am Kühlschrank — Bestellungen werden gebündelt — der Beutel steht bereit — Rezepte bleiben in einer Klarsichthülle — die Öffnungszeiten sind notiert — der Weg fällt auf starke Tage — Begleitung geht mit — niemand muss allein los — die Apotheke kennt die Bestellung schon, wenn die Liste vorher abgegeben wird — der Rückweg führt an einer Bank vorbei.
91-Jährige: das Album
91-Jährige sehen das Album in kleinen Runden an — auf jeder Rückseite stehen Name, Ort und Jahr — Erzählungen werden daneben notiert — wenige Bilder pro Sitzung genügen — Mitschnitte brauchen Zustimmung — Halbfertiges darf warten — die Person wählt aus — Empfänger werden vermerkt — das Album bleibt ein Schatz — Kassetten oder Digitalisate ergänzen die Abzüge, wenn alle Beteiligten einverstanden sind — ein kurzer Index am Anfang nennt Fächer und Jahre.
1935: die Nachbarn
1935 hält der Kontakt zu den Nachbarn den Alltag leicht — ein Gruß über den Zaun zählt — Brötchen werden geteilt — Pakete werden angenommen — der Briefkasten wird geleert, wenn niemand da ist — Gegenseitigkeit gehört dazu — Absprachen werden erneuert — Grenzen bleiben geachtet — das Netz bleibt lose und tragfähig — im Winter wird der Gehweg gemeinsam geräumt — ein Zettel an der Tür nennt die Notfallnummer.
1935 Geborene: Grenze prüfen
1935 Geborene sollten die Jahresgrenze prüfen — neben Li Chun (Frühlingsbeginn) zählen die Uhrzeitregeln jener Jahre, der Geburtsort und die historische Zeitzone — Monat, Tag und Stunde fehlen zu den Vier Säulen — unvollständige Angaben werden notiert — die Einordnung bleibt eine Näherung — fehlende Belege werden nachgetragen, wenn sie auftauchen.


