111 Jahre: leise Routinen
Stetige Abläufe tragen den Tag besser als große Vorhaben — Aufstehen, Frühstück, Lüften und ein kurzer Weg nach draußen bleiben in derselben Reihenfolge — laute Tage bekommen danach eine stille Stunde — Besuch wird eingetragen, nicht dazwischengeschoben — Mahlzeiten bleiben einfach und warm — Getränke stehen in Reichweite — wer den Rhythmus hält, muss weniger erklären.
111-Jährige: Rückzug mit Kontakt
Rückzug ist erlaubt und kein Zeichen von Ablehnung — wer Ruhe braucht, sagt es früh, damit niemand vergebens kommt — Anrufe und Besuche werden abwechselnd geplant — kurze Begegnungen zählen vollwertig — Erreichbarkeit bleibt geregelt — ein fester Anruftermin pro Woche genügt — Nähe und Abstand dürfen sich abwechseln — ein fester Anruftermin pro Woche trägt mehr als viele kurze Nachrichten.
111 Jahre: Pflege klar verteilen
1915 verlangt eine Hilfe, die auf mehrere Personen verteilt ist — Aufgaben, Zeiten und Rufnummern werden schriftlich festgehalten — jede Zusage bekommt Umfang und Enddatum — Übergaben werden notiert, damit nichts doppelt geschieht — Ausfälle bekommen eine Vertretung — die Liste hängt sichtbar in der Küche — wer trägt, darf auch abgeben — die Verteilung wird alle sechs Monate an die tatsächlichen Zeiten angepasst — für 1915 gilt dabei: wenige feste Zusagen tragen weiter als viele gute Vorsätze — Hilfen werden rechtzeitig angenommen, bevor aus kleinen Lücken große Belastungen werden — Änderungen an der Wohnung werden erklärt, ausprobiert und bei Bedarf zurückgenommen — kleine Gesten der Anteilnahme wirken länger als große Ankündigungen.
Ordner und Hefter in Ordnung
Ordner und Hefter bekommen ein Verzeichnis, das eine Vertrauensperson versteht — Versicherungen, Rentenunterlagen und Vollmachten liegen zusammen — eine zweite Ausfertigung lagert auswärts — nach jedem Behördengang wird ergänzt — abgelaufene Blätter werden aussortiert — der Standort ist zwei Personen bekannt — wer sucht, findet ohne fremde Hilfe.
Gaben mit klaren Grenzen
Freiwillige Gaben bekommen Betrag und Enddatum — Geschenke und Darlehen bleiben unterscheidbar — die Rücklage wird nicht angetastet — größere Bitten bekommen Bedenkzeit — Ausnahmen bleiben selten — Zusagen werden jährlich überprüft — Grenzen schützen beide Seiten — Zusagen werden jährlich überprüft und bei Bedarf angepasst.
111-Jährige: Wünsche sichern
Essen, Kleidung, Besuch und Zimmerordnung folgen den Wünschen der Person — gefragt wird zuerst, entschieden wird von der Person — leicht Erfüllbares geschieht sofort — Unmögliches wird offen erklärt — kleine Vorlieben zählen — Wünsche werden regelmäßig erfragt, nicht vorausgesetzt — wer zuhört, trifft weniger Widerstand.
Fotografien und Briefe beschriften
Fotografien und Briefe werden in kleinen Sitzungen beschriftet — Namen, Ort und ungefähres Jahr gehören dazu — Geschichten werden in zwei Sätzen notiert — Mitschnitte nur mit Zustimmung — was nicht bleibt, wird abfotografiert — die Beschriftung erfolgt in Druckbuchstaben — die Auswahl trifft die Person.
111 Jahre und die Grenze
1915 Geborene im frühen Jahr sollten den Geburtspfeiler prüfen lassen — rund um Li Chun (Frühlingsbeginn) verschiebt sich die Grenze, und der Geburtsort, die historische Zeitzone sowie die Uhrzeitregeln jener Zeit zählen mit — den Vier Säulen fehlen Monat, Tag und Stunde — ohne Belege bleibt jede Aussage begrenzt — ein Kalenderwert beurteilt kein Leben — die Prüfung der Jahresgrenze ersetzt keine vollständige Karte.


